100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Ein Zeitstrahl dokumentierte bedeutsame Stationen auf dem mühevollen Weg zur Gleichberechtigung, zu dem kurze Texte vorgetragen wurden, die informierten und nachdenklich stimmten.

 

(Rü) Die Katholische Frauenbewegung Recklinghausen lud zu ihrem diesjährigen Neujahrsempfang am 11. Januar 2019 in unsere Schule ein und Sprecherin Hildegard Stein und ihr Team erinnerten an den Tag, an dem Frauen in Deutschland erstmalig wählen durften: den 19. Januar 1919.

Frau Dr. Karin Derichs-Kunstmann aus Marl nahm die Gäste mit auf eine lebendige Zeitreise in die 1910er und 1920er Jahre. Sie erinnerte dabei insbesondere an politisch bedeutsame Frauen jener Tage, z.B. an Helene Lange, Frauenrechtlerin und Pädagogin, und an Hedwig Dohm, Schriftstellerin und vielleicht eine der erste feministischen Theoretikerinnen.

Einen Eindruck in das Denken der damaligen Zeit vermittelt eindrucksvoll ein Auszug aus einem Aufruf vom „Deutschen Bund gegen die Frauenemanzipation“ aus dem Jahre 1914. In diesem Appell zur „Erhaltung deutscher Frauenart und zum Kampfe gegen das Frauenstimmrecht“ ist zu lesen, dass ein Wahlrecht für jedes Volk ein „nationales Unglück“ bedeute und das Einflussnehmen der Frauen „dem ganzen Staatsleben ein weibisches, kraftloses Gepräge“ geben werde.

1918 wurde dann das Wahlrecht auf „alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen“ ausgeweitet, sodass am 19. Januar 1919 Frauen zum ersten Mal in Deutschland wählen und gewählt werden konnten. Die Wahlbeteiligung erreichte – für die heutige Zeit kaum vorstellbare - 83 Prozent. Ins damalige 423 Mitglieder umfassende Parlament schafften es 37 Frauen – 300 hatten kandidiert.