Lernpark: Zeig uns deine Klasse

dorisdean - Miriam Michel, Anna Júlia Feijó do Amaral, Patrizia Kubanek

Eine performative Video/Audio-Arbeit von und mit Schüler*innen des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs und dorisdean

Online-Präsentation am 3. Juni, 16:00 Uhr
Das Video finden Sie weiter unten oder direkt bei
Vimeo.

Warum sind Klasse, Herkunft und Familie oftmals mit Scham besetzt? Dieser und weiteren Fragen gehen die Schüler*innen des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs gemeinsam mit dem Performancekollektiv dorisdean nach.

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Weitere Schulen des „Lernpark“-Projekts samt neuen Premierenplänen

 vom 27.06.2020

 

RECKLINGHAUSEN. „Lernpark“ im Rahmen der Ruhrfestspiele: Schulen gehen in vier Kunst-Projekten jetzt andere Wege als einst geplant.

Von „Lernen ohne Schule“ zu „Lernen durch Corona“ – mit dieser Entwicklung und ihren Fragen begaben sich 24 Schüler des Herwig-Blankertz-Berufskollegs – unterstützt durch die Theatermacherinnen und Künstlerinnen Mirjam Strunk und Cordula Körber – auf die Suche nach ihren persönlichen Lernfächern. Statt der geplanten Rauminstallation „basecamp“, präsentieren sie nun das Fotoprojekt „Corooning“. Am Anfang stand die Frage: Was will ich wirklich lernen? – am Ende: Was hat mich Corona gelehrt? (Präsentation: Juni 2020).

Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule machten sich daran, mit Sozialaktivist Ali Can Wege zu erforschen, Gesellschaft zu bewegen, und zu zeigen, wie Jugendliche die Welt verändern können. In der Youtube-basierten Late-Night-Show „Alimania“ werden sie zu Gast sein, von Erfahrungen berichten, Ergebnisse im Online-Format präsentieren (Herbst 2020).

Schüler der Abschlussklasse 2019 der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule planen im Rahmen ihres Projekts „Von Orten und Menschen“ eine Fahrrad-Tour durch ihre Stadt. Auf dem Weg kommen Fragen auf: An welchem Ort bin ich glücklich? Wo verbringe ich die meiste Zeit? Wo gehöre ich hin? Eine Reise durch das Leben der Jugendlichen. Sie erzählt von Träumen und Alltag, Hoffnung und Ängsten (Präsentation: Herbst 2020).

Die Säle sind leer, Produktionen liegen auf Eis, das Theaterfestival Ruhrfestspiele 2020 fällt aus. Obwohl heute die ganze Welt ein Dorf ist, fängt kein Netz und kein doppelter Boden die Mitwirkenden in ihrer Kreativität auf. Und wie die Profis sind auch die im Rahmen des von der Mercator-Stiftung unterstützten „Lernpark“-Konzepts entstandenen Kunstprojekte an vier Schulen in Recklinghausen von der Corona-Pandemie betroffen. Aufgeben kommt aber nicht infrage, alle Beteiligten haben über Monate so viel investiert: Statt die seit dem letzten Herbst laufenden Vorbereitungen einzumotten, wurde umdisponiert. Jetzt finden die Premieren auf anderen Kanälen statt.

Die Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs haben sich mit dem Performancekollektiv dorisdean das Thema „Klasse“ vorgenommen: Was bedeutet Klasse eigentlich? In der Schule, im Leben? Welche Privilegien haben wir, und wo stoßen die an welche Art Grenzen? Statt der geplanten Live-Präsentation der Antworten gibt es nun ein Videoprojekt. Bei einem Dreh dafür steht Joshi, 18, im Ruhrfestspielhaus allein auf der leeren Bühne im Großen Haus. Vor ihm Sitzreihen ohne Publikum. „Die Arbeit an diesem Projekt war für mich sehr ungewöhnlich, einige Übungen waren sehr anstrengend, zum Beispiel wie in Zeitlupe durch den Raum zu gehen, eine halbe Stunde lang.“ Augenscheinlich cool spricht er dann seinen Monolog in die Kamera, einen eigenen, spontanen Text.

45 Minuten sind pro Dreh eingeplant – für etwa drei Minuten Film, die das Publikum später sieht. Joshi wird staatlich geprüfter Sport- und Gymnastiklehrer, wenn er die Schule hinter sich hat. Die gesamte Klasse hat ähnliche Schwerpunkte.

Durch den Bezug zum Thema Körper hatten die angehenden Physiotherapeuten und Sportlehrer alle eine Affinität zum Körperlichen. Dazu noch sein Innerstes mitzubringen, war für alle eine besondere Erfahrung. „Niemand musste einen Seelenstriptease machen“, erklären Miriam Michel und Anna Júlia Amaral von dorisdean, aber: „Viele der 17- bis Anfang-20-Jährigen waren überrascht, als sie bei sich beobachtet haben, was sie von sich preisgeben möchten und was nicht. Trotz der starken Präsenz der Jugend in den sozialen Medien ist eine Selbstdarstellung im Theater etwas ganz anderes.“ Neben den Filmsequenzen, die im Ruhrfestspielhaus von Filmemacher Marcel Nasciemento gedreht werden, gibt es Tanzchoreographien, die im Stile von TikTok-Videos dazwischen geschnitten werden, und Geschichten vom und über das eigene Sofa, bei dem das Möbel im Vordergrund steht – unter anderem, um über ein Objekt einen symbolischen Blick auf die gesellschaftliche Klasse der Mitwirkenden zu werfen.

An den vier Projektenteilen nehmen rund 100 Jugendliche aus der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule, dem Herwig-Blankertz-Berufskolleg, der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule und dem bereits erwähnten Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg teil.

Die Gesamtleitung des „Lernpark“-Projekts haben Carina Langanki und Emel Aydogdu von transkript’09, die ihrerseits häufiger große Jugendprojekte geleitet haben.

Der Premierentermin bleibt trotz Covid-19-Pandemie der 3. Juni 2020, allerdings als nun „virtuelle Premiere“, so dass die Familienmitglieder und Freunde, die jetzt nicht zusammenkommen können, gemeinsam die Arbeit der Gruppe bewundern können.

Elternbrief von Ministerin Gebauer

Ministerium für Schule und Bildung NRW, 40190 Düsseldorf

 

Die Ministerin

 

Yvonne Gebauer MdL

27. März 2020

 

Liebe Eltern,

die aktuelle Situation stellt uns alle vor große und noch nie da gewesene Herausforderungen – gerade auch Familien mit Kindern. Alle Menschen in Nordrhein-Westfalen sind aufgerufen, soziale Kontakte soweit wie möglich zu reduzieren. Infektionsketten, die zu einer weiteren, schnellen Verbreitung des Corona-Virus führen können, müssen unterbrochen werden. Im öffentlichen Raum dürfen nicht mehr als zwei Personen zusammen unterwegs sein, Ausnahmen gelten nur für die eigene Familie. Die Einstellung des regulären Schulbetriebes, die Beschränkung der Freizeitmöglichkeiten und der Bewegungsfreiheit sind besonders für Kinder und Jugendliche große Einschnitte. Sie verbringen nun viel Zeit zu Hause, ohne die gewohnten Strukturen, Abläufe und Beschäftigungsmöglichkeiten.

In den Schulen findet derzeit nur eine Notbetreuung statt, die seit dem 23.03.2020 auch am Wochenende und in den Osterferien geöffnet bleiben wird. Diese Notbetreuung steht für Kinder bereit, deren Eltern in Bereichen der so genannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten. Dazu ist eine Bescheinigung des jeweiligen Arbeitgebers nötig.

In der Notbetreuung werden Schülerinnen und Schüler bis Klasse 6 in kleinen Gruppen von Lehrerinnen und Lehrern und anderem pädagogischen Personal im Landesdienst der eigenen Schule sowie vom Personal des Ganztagsträgers betreut. In der Notbetreuung findet kein Unterricht statt, sondern werden andere Angebote zur Beschäftigung, nach Möglichkeit auch zur Bewegung der Schülerinnen und Schüler unterbreitet.

Die Notbetreuung ist wichtig, damit Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Personal in der Altenpflege, Lebensmittel-Verkäuferinnen und Verkäufer und andere wichtige Berufsgruppen weiterhin ihrer Arbeit im Interesse der gesamten Gesellschaft nachgehen können.

Ich möchte Sie herzlich bitten, mit diesen Regelungen bewusst und verantwortungsvoll umzugehen. Diesen Appell richte ich auch an alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Wo immer es geht, sollte es Eltern ermöglicht werden, von zu Hause aus zu arbeiten, damit die Kolleginnen und Kollegen in der Notbetreuung nicht überfordert werden. Bitte achten Sie strengstens darauf, dass Ihre Kinder außerhalb der Notbetreuung keine weiteren Kontakte über den eigenen Haushalt hinaus haben. Auch für das Angebot der Notbetreuung gilt: Je effektiver wir Infektionsketten unterbrechen können, desto besser ist es.

Die Organisation der Notbetreuung stellt auch unsere Schulen vor organisatorische Herausforderungen. Alle Kinder und Jugendlichen, alle Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ganztagsträger sollen in der Notbetreuung sichere Bedingungen vorfinden, damit es auch hier möglichst nicht zu weiteren Ansteckungen kommt. Auch deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Nutzung dieses Angebotes nötig.

Die Schulträger werden die erforderlichen Hygienemaßnahmen ergreifen. Die genutzten Schulräume werden regelmäßig gereinigt.

Ich bin den Lehrkräften und dem Personal der Ganztagsträger und der Betreuungsangebote für den großen Einsatz sehr dankbar!

Und auch Ihnen, liebe Eltern, möchte ich für Ihre Flexibilität und Ihre Bereitschaft, sich auf die für Sie oftmals schwierige Situation einzustellen, herzlich danken. Und ich möchte Sie auch um Ihr Verständnis bitten, dass wir Maßnahmen und Regelungen ständig prüfen und anpassen müssen. Diese besondere Situation fordert uns alle heraus und wir werden sie nur gemeinsam bewältigen. Wir brauchen Vernunft, Solidarität und Gemeinschaftssinn, um diese Situation zu meistern.

Gespräche in der Familie, gegenseitiges Verständnis für die Sorgen und Nöte der Familienmitglieder können helfen, diese Ausnahmesituation zusammen zu bewältigen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute! Bleiben Sie gesund!

Ihre

Yvonne Gebauer

Lernpark - Ein kulturelles Bildungsprojekt

FOTO: Cordula Körber

 

In einer sich rapide verändernden, global vernetzten Welt, in der sich Wissensinhalte neu strukturieren und eine größere Flexibilität und Kreativität im Umgang mit Veränderungen und Herausforderungen erforderlich ist, stellt Schule die Frage nach Wegen der Bildung neu. Ins Zentrum der Neuausrichtung rücken die Fähigkeiten und Interessen der Schüler*innen und ihre individuelle Entwicklung, angestiftet von persönlichen Fragestellungen. Hier knüpft das Projekt „Lernpark“ an. Etablierte Kunst- und Kulturschaffende unterstützen und begleiten Schüler*innen von vier Recklinghäuser Schulen dabei, ihre individuellen und selbstbestimmten Lernwege zu gehen. Der „Lernpark“ startete bereits während der vergangenen Ruhrfestspiele. Ausgehend von jeweils einer offenen Fragestellung entwickeln die Schüler*innen seitdem in vier unterschiedlichen Gruppen ein eigenes Projekt und treffen sich dafür regelmäßig mit ihren Mentor*innen. So setzen sich die Schüler*innen des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs gemeinsam mit dem Performancekollektiv dorisdean mit ihren Familienstammbäumen und sozialen Gruppenzugehörigkeiten auseinander. Gemeinsam entwickeln sie einen performativen Spaziergang, zu dem sie die Besucher*innen der Ruhrfestspiele einladen. […]

Während der Ruhrfestspiele 2020 werden die Projektergebnisse aus einem Jahr gemeinsamer Arbeit auf dem grünen Hügel präsentiert.

 

Leitung: dorisdean, Mirjam Strunk und Cordula Körber, Ulrike Franke und Michael Loeken, Ali Can

Projektkoordination: Emel Aydogdu, Carina Langanki

Projektbegleitung: Team Junge Ruhrfestspiele

Dokumentation: Sina Langner

Hinweis:

Für alle Veranstaltungen gilt: Der Eintritt ist frei. Der Zugang zu den Projekten ist ggf. limitiert. Zählkarten sind in der Kartenstelle und an der Tageskasse nach Verfügbarkeit erhältlich. Weitere Informationen unter: ruhrfestspiele.de

Gefördert durch die Stiftung Mercator

 

Ruhrfestspiele Recklinghausen GmbH: Programm "Macht und Mitgefühl" 2020. S. 173

Grünes Geschäftsmodell mit Rendite

RZ vom 05.02.2020

Hillerheide . (faba) Die Do-it-yourself-Anleitung für ein nachhaltiges Leben – damit hat die Schülerfirma „Inwastigation“ des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs einen Nerv getroffen. Denn ihr Buch „Nachhaltig leicht“ verkauften die Schüler über 200 mal und haben ihren Anteilseignern damit eine satte Rendite verschafft.

„Wir wollten etwas erschaffen, was hilft, konkret etwas zu tun. Praktische Beispiele für eine nachhaltige Lebensgestaltung“, erklärt Schülerin Jolin Haveloh. „Nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit Spaß“, sagt Charlotte Voß. Heraus kam ein Ratgeber mit vielen praktischen Anleitungen – von der Herstellung nachhaltiger Kosmetikartikel bis zum Leben ohne unnötigen Besitz.

Die Schüler verkauften Anteilsscheine und suchten Sponsoren, um die Druckkosten zu finanzieren. „Das Aufwendigste war aber die Recherche“, sagt Lehrerin Tanja Lamsieh-Köhl. „Denn die Schüler haben alles von A bis Z selbst geschrieben.“ Und natürlich ausprobiert. Auch außerhalb der Schulzeit warben die Schüler auf Abendveranstaltungen für ihr Buch – und waren damit so erfolgreich, dass es eine zweite Auflage gab. Deshalb wurde das eigentlich auf ein Jahr angelegte Projekt bis ins 13. Schuljahr verlängert. Und auch für die Anteilseigner lohnte sich das Geschäft.

Denn für zehn Euro Einsatz konnten Sie fast 25 Euro zurückbekommen. Die nicht ausgezahlten Erlöse wollen die Schüler an den BUND und das Kinderhospiz spenden.

Aber auch die Schüler selbst konnten von ihrem Projekt profitieren. Sie nehmen die Erfahrung mit, eine Firma inklusive Marketing, Produktion, Verwaltung und Buchhaltung aufgezogen zu haben.

Auch privat beschäftigt sie das Thema Nachhaltigkeit weiter. „Ich nutze eine Bambus-Zahnbürste und eine wiederbefüllbare Trinkflasche“, sagt Isabell Weimer. „Und ich achte darauf, was ich kaufe“, ergänzt Charlotte Voß. Auch unter den Mitschülern sei das Bewusstsein für das Thema schon gewachsen. Einwegflaschen etwa sehe man kaum noch. Nicht in allen Lebensbereichen fällt der Verzicht aber so leicht. „Ich könnte zum Beispiel nicht vegan leben“, sagt Dalin Don.