Nachhaltigkeit für Anfänger

Zusammen mit anderen Schülerinnen und Schülern des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs haben (v. l.) Franziska Ahmann, Jolin Haveloh und Slna Stobberg ein Handbuch zum Thema Nachhaltigkeit verfasst.

 

Ausgabe Juni 2019

Eine Schülergruppe des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs hat ein Handbuch verfasst - mit jeder Menge praktischer Alltags-Tipps für mehr Umweltschutz

„Das Thema Umwelt ist uns sehr wichtig, so kann es nicht weitergehen", sagt Sina Stobberg. „Es ist an der Zeit, etwas zu tun", ergänzt Jolin Haveloh. Und Franziska Ahmann betont: „Nachhaltigkeit - das hat hohe Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Darauf wollen wir aufmerksam machen."

Für die drei Schülerinnen des Alexandrine-Heqe­mann-Berufskollegs in Recklinghausen stand schon im vergangenen Sommer fest: Wir wollen nicht nur von Umwelt. reden, sondern auch handeln. Und so haben sie sich zusammen mit zehn weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Berufs­kollegs beim Schulprojekt „Schülerfirma" als Thema gewählt, ein Buch über Nachhaltigkeit zu verfassen. „Hey Du!" So beginnt die Einleitung zu dem Rat­geber. Der Ton ist locker, „ursprünglich war das Ganze von Schülern für Schüler gedacht", berichtet Sina Stobberg. Doch dann hat die Schülerfirma „inWASTEigation" - eine Kombination aus den Worten Waste (Müll) und lnvestigation (Prüfung, Erforschung) - gemerkt, dass nicht nur junge Leute ihre Zielgruppe sind.

„Allerdings ist unser Buch eindeutig eher etwas für Anfänger als für Fortgeschrittene in Sachen Nachhaltigkeit", sagt Jolin Haveloh. Die 18-Jährige erläutert: „Die Grundidee ist es, ein Handbuch für erste Schritte anzubieten. Das zeigt ja schon der Titel ,Nachhaltig­LEICHT'. Es geht hier nicht um neue Experten-Infos, sondern um Grundelemente, darum, wie sich jeder für die Umwelt einsetzen kann, indem er alltägliche Dinge verändert." Sina Stobberg ergänzt: „Und dabei zeigen wir, dass nachhaltiges Leben nicht schwer ist, auch ohne Mehrkosten funktionieren kann." „Schon Kleinigkeiten helfen", betont Franziska Ahmann. Müllvermeidung, einfach Leben und Altern neuen Sinn geben: Unter diesen drei inhaltlichen Schwer­punkten haben die insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs in ihrem Buch jede Menge Themen und Tipps zu­sammengetragen.

Im Mittelpunkt stehen praktische Hinweise. So stellt die Schülergruppe nachhaltige Geschäfte aus der Region vor, in denen zum Beispiel unverpackt oder mit mitgebrachter Dose eingekauft werden kann, es geht um nachhaltige Produkte - den Metall- statt Plastikstrohhalm, die Bambus- statt Plastikzahn­bürste, die Glas- statt Einwegflasche ... „Hier kann man Müll durch ganz einfache Dinge ersetzen", kommentiert Sina Stobberg.

Einen großen Raum nehmen im Handbuch „Nach­haltigLEICHT" „Do it yourselfs" ein. „Es geht um Selbermachen statt Kaufen", bringt es Franziska Ah­mann auf den Punkt. „Wir erklären zum Beispiel, wie man Zahnpasta, Shampoo oder Gesichtspeelings herstellt - und damit Plastikverpackungen vermei­det", berichtet die 18-Jährige. „Auch für die Küche haben wir jede Menge Tipps - vom Brotbacken über die Salatsauce ohne Tüten-Fertigmischung bis zu eigenen Spülmaschinentabs und Topflappen aus alten wiederverwerteten Stoffresten", erzählt Jolin Haveloh. „Und mit unseren Rezepten für verschiede­ne Pflanzenmilch-Sorten spart man sowohl Geld als auch Verpackung. Außerdem kann man die Menge besser dosieren und wirft weniger weg", sagt Sina Stobberg. Der Deko-Bereich ist ebenfalls vor den Nachhaltigkeits-Tipps der jungen Leute nicht sicher: Warum nicht Wachsreste einschmelzen, um daraus neue Kerzen zu gießen? Und selbst das Internet wird bei den Tipps nicht ausgespart: So heißt es bei Apps und Suchmaschinen: „umweltfreundlich im Netz unterwegs".

Dass die Schülerinnen und Schüler auf Umweltpro­bleme aufmerksam machen und beim nachhaltigen Alltag helfen wollen - dabei aber nicht mit erhobe­nem Zeigefinger dastehen, macht das Kapitel über veganes Leben deutlich. „Ich habe da immer nur an das Töten der Tiere gedacht, der Zusammenhang zum Umweltschutz war mir gar nicht so klar - die Ressourcen-Verschwendung über das Futter, die Gase der Tiere, die Regenwaldabholzung für den Soja-Anbau. Und das, während Menschen verhun­gern", erzählt Jolin Haveloh. Auf all dies weisen die Schüler in ihrem Buch hin, „aber deshalb müssen jetzt nicht alle sofort unbedingt vegan werden", betont Jolin Haveloh. Vielmehr werden Anregun­gen gegeben: regionales Fleisch aus artgerechter Haltung kaufen, weniger Fleisch essen, vegane Tage einlegen.

Abgerundet wird das Handbuch durch einfache Tipps und Tricks: zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto unterwegs sein, Fahrgemeinschaften bilden, die Spülmaschine erst anstellen, wenn sie voll ist... Auch hier gilt das Motto: Oft helfen schon Kleinigkeiten im Alltag.

Zum Abschluss heißt es noch: „Challenges - Jetzt bist du dran!" „Da haben wir ein paar Aufgaben an den Leser - zum Beispiel eine Ausmist-Methode: Einen Monat lang sollen jeden Tag ein bzw. mehrere Dinge ausgemistet werden, die man nicht mehr braucht. Das kann ein Kleidungsstück, ein Buch oder auch ein Kuli sein", erklärt Franziska Ahmann. Die aussortierten Dinge sollen dann nicht einfach weggeworfen, sondern upcycelt oder gespendet werden. Für Sina Stobberg steht fest: „Weniger zu besitzen, kann das Leben einfacher und glücklicher machen."

Das Schuljahr neigt sich langsam dem Ende zu und das Projekt der Schülerfirma ist auch fast fertig. Fast - das Handbuch ist gerade layoutet worden, geht in Druck. „Wir gehen davon aus, dass es im Juni fertig wird und verkauft werden kann", sagt Sina Stobberg. Kosten soll der Ratgeber um die 10 Euro, mögliche Verkaufsstellen sind Schulen, Pfarrfeste, Jugendzentren.

Und natürlich spielt die Mund-zu-Mund-Propa­ganda eine wichtige Rolle, die Schülerinnen und Schüler werden weiter für ihr Buch werben. Jolin Haveloh: „Das Thema Klima ist für uns mehr als ein Schulprojekt - da steckt Herzblut drin."

Thomas Schönert

 

Mit der Schülerfirma praxisnah Wirtschaft erleben

Wir veröffentlichen ein Handbuch über Nachhaltigkeit: Diese Projekt haben Schülerinnen und Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs in Recklinghausen während des laufenden Schuljahres in einer "Schülerfirma" verfolgt und verwirklicht. Dabei haben sie praxisnah Strukturen einer Firma simuliert, betriebliche Abläufe kennengelernt, "Wirtschaft live erlebt", wie ihre Lehrerin Tanja Lamsieh-Köhl sagt.

Das Projekt "Schülerfirma" gibt es am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg seit dem Schuljahr 2015/16. Es wird im Beruflichen Gymnasium des Kollegs durchgeführt  im Wirtschaftskurs der Jahrgangsstufe 12.

Der Ablauf ist klar vorgegeben: Die Schüler des Wirtschaftskurses suchen sich ein Projetkthema aus, das sie verwirklichen wollen. Dazu gründen sie eine "Firma" - mit mehreren Abteilungen wie Vorstand, Marketing, Produktion, Verwaltung, Finanzen. Während das Projekt verwirktlicht wird, müssen viele betriebliche Aufgaben im "Miniformat" simuliert werden: Anteilsscheine werde für das - sehr kleine - Kapital der Firma verkauft (meist an Verwandte oder Freunde), ein Konto eröffnet, minimale Löhne und Steuern werden gezahlt, Sponsoren gesucht, Werbung gemacht, natürlich am Produkt gearbeitet... Als fiktiver Arbeitgeber, der zum Beispiel die Buchhaltung kontrolliert, tritt das Programm 'Junior Expert' des Instituts für Deutsche Wirtschaft auf, das die Schülerfirma begleitet.

Lehrerin Tanja Lamsieh-Köhl sieht das Schulprojekt "Schülerfirma" sehr positiv: "Es ist ein sehr praktisches Projekt, bei dem die Schüler ganz neue Erfahrungen machen: Hier wird Wirtschaftsleben nachempfunden, die Teilnehmer tauchen realitätsnah in die Berufswelt ein, sie übernehmen von A bis Z Verantwortung für ein Produkt." Auch in der intensiven Beschäftigung mit einem Thema sieht die 41-jährige Pädagogin positive Auswirkungen für ihre Schüler: "Hier wachsen die Schüler manchmal über sich hinaus. Und auf das fertige Produkt ist man natürlich auch sehr stolz."

Über das aktuelle Schülerfirma-Projekt ist Tanja Lamsieh-Köhl sehr erfreut: "Das Thema Klima ist sehr aktuell, beschäftigt die Schüler. Es geht hier auch um Schöpfung - und es ist gut, wenn junge Leute da Verantwortung übernehmen. Bei so einem Projekt sind auch Zeitplanung und Kommunikation sehr wichtig - da gibt es natürlich immer mal wieder Reibungspunkte. Aber insgesamt haben die Schüler ihr Projekt mit viel Leidenschaft, Freizeit-Einsatz und Herzblut bearbeitet - und dabei eine tolle Entwicklung gemacht."

 

Service: "NachhaltigLEICHT

Ein Handbuch für die ersten Schritte in ein nachhaltiges Leben"herausgegeben von in WASTEigation; Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Ansprechpartnerin Sina Stobberg, Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg, Werkstättenstr. 16-18, Recklinghausen